Januar 13, 2021

9 Techniken zur Validation bei dementen Menschen

Von Ioannes

Hallo und herzlich willkommen auf meiner Seite, du pflegst einen Angehörigen zu Hause und hast manchmal Probleme. Mach dir keine Sorgen, das ist kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Das Pflegen eines Pflegebedürftigen ist ein dauerhafter Lernprozess, Rückschläge gehören dazu, lasse dich davon nicht entmutigen! Heute geht es um die Validation bei dementen Menschen.

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Demente Menschen haben eine ganz eigene Wahrnehmung und sehen die Welt mit anderen Augen. (Bildquelle: unsplash.com/Hanlin)

Insbesondere die Pflege von dementen Personen stellt eine besondere Herausforderung dar. Oftmals wissen viele Menschen nicht, wie sie mit einer dementen Person umgehen müssen. Ich bin Fachkraft für Altenpflege und gebe dir hier 9 Techniken aus der Praxis zur Validation dementer Leute mit auf den Weg.

Wer ist Naomi Feil?

Naomi Feil wurde 1932 in München geboren und floh in ihrer Kindheit wegen dem Nazi-Regime in die USA, dort wuchs sie in Cleveland Ohio auf und hatte bereits im Kindesalter engen Kontakt zu älteren Menschen. Ihr Vater leitete ein Altenheim und ihre Mutter war in diesem Altenheim als Sozialarbeiterin tätig. Dadurch entwickelte die junge Naomi Feil schon sehr früh ein Interesse für ältere Menschen und ihre Krankheiten. Insbesondere das Thema der Demenz begeisterte sie nachhaltig. Feil schloss ein Studium als Sozialarbeiterin ab an der Columbia University in New York.

Nach ihrem Studium begann sie erneut, mit alten Menschen zu arbeiten. Allerdings gefielen ihr die damaligen Techniken zum Umgang mit dementen Menschen und sie entwickelte ihre eigenen Methoden. So entstand zwischen 1963 und 1980 die Validations-Methode, im Jahre 1982 veröffentlichte sie ein Buch zu diesem Thema.

Worum geht es bei der Validation

Das Ziel der Validation ist es, demente Menschen besser zu verstehen. Durch die Validation tauchst du in die Gefühlswelt deines Angehörigen ein und bekommst ein besseres Verständnis für seine Handlungen.

Diese Techniken der Validation stammen von Naomi Feil, sie ist eine deutsch-amerikanische Gerontologin und hat sehr lange und intensiv im Gebiet der Demenz geforscht. Folgende drei Grundsätze solltest du für eine gelungene Validation beachten:

  • Versuche die Aussagen und Handlungen deines Angehörigen nicht zu bewerten, oder der Realität zuzuordnen. Akzeptiere die Aussagen einfach und versuche nicht so logisch zu denken.
  • Zeige viel Empathie und versuche zu jeder Zeit eine Unterstützung für deinen Angehörigen zu sein.
  • Sei immer ehrlich mit deinen Aussagen und versuche damit Authentizität auszustrahlen.

Warum ist die Validationstechnik von Naomi Feil so effektiv?

Das Besondere an der Validationstechnik von Naomi Feil ist der emphatische Ansatz, dieser wird in keiner anderen Theorie zum Umgang für demente Menschen so betont. Laut Feil ist das Hineinversetzen in einen dementen Menschen der wichtigste Aspekt, um ihn verstehen zu können. Ein weiterer wichtiger Ansatz ist, dass demenziell veränderte Menschen nicht abgeschlossene Lebenssituationen durch wiederholende Fragen, Handlungen und Sätze ausdrücken. Durch die validierenden Handlungen fühlen sich die Dementen akzeptiert und wertgeschätzt. Dadurch kann ein besserer Zugang zu ihnen gewährleistet werden und der Umgang mit ihnen fällt leichter.

Welche Auswirkungen hat die Demenz auf die Kommunikation?

Damit richtig gepflegt werden kann, müssen der Pfleger und der Pflegebedürftige gut miteinander kommunizieren. Nur so kann ein reibungsloser Pflegeprozess erfolgen und die richtigen Pflegemaßnahmen angewendet werden. Durch eine gelungene Kommunikation kann ein kranker Mensch viel schneller gesund werden.

Oftmals sind demente Menschen in ihren kommunikativen Fähigkeiten stark eingeschränkt, dadurch fällt es ihnen unglaublich schwer präzise zu formulieren, was ihr Problem ist, oder wo sie Schmerzen haben. Darüber hinaus können sie auch ihr Umfeld nicht wirklich verstehen, da sie kognitiv stark eingeschränkt sind. Durch diese Kommunikationsschwierigkeiten kommt es beim Pfleger und Pflegebedürftigen häufig zu Anspannungen, Ungeduld und Missverständnissen. Dadurch geraten viele demente Menschen leider in eine schlechter psychische und körperliche Verfassung, da keine fachgerechte Pflege erfolgen kann.

Genau an dieser mangelhaften Schnittstelle setzt die Validation von Naomi Feil an, die Validationstechniken sollen genau diese Probleme umgehen, indem durch Akzeptanz und Empathie eine neue Kommunikationsatmosphäre geschaffen wird. Durch die gegenseitige Wertschätzung und dem Akzeptieren der Demenz als Krankheit verbessert sich die Kommunikation nachhaltig und die Pflegemaßnahmen können besser umgesetzt werden.

Grundlagen der Validation bei dementen Menschen

Damit die Validationstechniken einwandfrei eingesetzt werden können, muss zuerst das richtige Fundament gesetzt werden. Diese drei Grundlagen bestehen aus externen und internen Faktoren und müssen alle drei vorher umgesetzt werden, ansonsten können die Validationstechniken nicht greifen.

Drei Grundlagen der Validation:

  1. Der Pflegende muss völlig frei von Vorurteilen gegenüber dem Dementen sein, ansonsten fällt es schwer Empathie zu erzeugen.
  2. Der Pflegende muss theoretisches Wissen über die Validation haben.
  3. Der Pflegende muss wissen, wann er die nonverbalen und verbalen Techniken gezielt einsetzen kann.

9 Validationstechniken nach Naomi Feil

Nun komme ich auch schon zu den 9 Techniken für die Validation, versuche sie in den verschiedenen Situationen anzuwenden und du wirst merken, der Umgang mit deinem dementen Angehörigen, wird sich enorm erleichtern:

  1. Widerspreche einem verwirrten Menschen nicht, lasse dich auf seine Welt ein.
  2. Achte nicht auf die Aussagen deines Angehörigen, sondern mehr auf seine Handlungen und Gefühle. Somit kannst du lesen, was deinen Angehörigen wirklich beschäftigt.
  3. Versuche immer ruhig, klar, deutlich und wohlwollend mit deinem Angehörigen zu kommunizieren.
  4. Vermeide Warum-Fragen, demente Menschen werden dir oftmals keine Antwort auf den Hintergrund ihrer Handlung geben können.
  5. Sprich niemals von oben herab mit deinem Angehörigen, diese merken das und werden dann nicht mehr erreichbar sein für ein Gespräch.
  6. Lasse deinem dementen Angehörigen genug Zeit, auf deine Aussagen zu antworten. Das kann durchaus schon mal einige Zeit dauern.
  7. Verwende keine langen Sätze, eine Kernaussage pro Satz genügt. Führe das Gespräch erst weiter, wenn du eine Rückmeldung erhalten hast.
  8. Du kannst mit nonverbaler Kommunikation enorm viel erreichen, setze deine Mimik und Gestik gezielt ein, falls du etwas kommunizieren willst.
  9. Du solltest deinen dementen Angehörigen niemals Anlügen, demente Menschen haben sehr sensibles Gespür für solche Situationen und merken das sofort.

Hier ein Video für dich, welches die Anwendung der Techniken zeigt zur Validation bei dementen Menschen:

Welche Stadien der Desorientierung gibt es?

Damit du besser einschätzen kannst, wie viel Validation notwendig ist bei deinem Angehörigen, will ich dir hier die 4 Stadien der Desorientierung erläutern:

Stadium 1:In diesem Stadium zieht sich der demente Mensch zurück und versucht seine zeitliche und örtliche Desorientierung zu überspielen.
Stadium 2:In diesem Stadium zieht sich der demente Mensch komplett zurück und lebt in seiner eigenen Erinnerung, er ist geistlich in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort.
Stadium 3:In diesem Stadium verliert der Betroffene sein Denk- und Sprachvermögen. Kommuniziert wird hauptsächlich nonverbal. Auch körperliche Unruhe kommt hier hinzu.
Stadium 4:In diesem Stadium vegetiert der Betroffene nur vor sich hin. Bekannte oder Verwandte werden nicht mehr erkannt.

Je weiter fortgeschritten die Demenz ist, desto schwieriger ist die Anwendung der Validationstechniken. Lasse dich nicht entmutigen und versuche einen Draht zu deinem Angehörigen zu finden.

Weitere wichtige Praxistipps zur Validation bei dementen Menschen

Zum Ende dieses Artikels gebe ich dir noch ein paar Tipps aus der Praxis mit, die du beim Umgang mit dementen Menschen direkt einsetzen kannst:

  • Wiederhole die Kernaussage eines Gespräches, dadurch schaffst du ein besseres Verständnis für deine Aussage.
  • Falls dein dementer Angehöriger gerade konzentriert an einer Sache sitzt, lenke ihn nicht ab.
  • Falls du ein Gespräch anfangen willst, hilft immer ein leichter Körperkontakt und Blickkontakt, dadurch hast du die Aufmerksamkeit des Dementen.
  • Wenn die demente Person laut oder aggressiv wird, versuche weiterhin in einem normalen Ton zu reden, spiegel auf keinen Fall das aggressive oder laute Verhalten. Zeige auch keine Angst.
  • Gebe dem Dementen für jede Aktivität einen zeitlichen Rahmen, damit der Tag strukturiert bleibt.
  • Lobe den Dementen bei jeder Gelegenheit, dadurch baust du sein Selbstbewusstsein auf.

Frage: Was haltet ihr von der Validation bei dementen Menschen?