Januar 9, 2021

Dekubitus

Von Ioannes
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In diesem Artikel geht es um den Dekubitus und seine Entstehung, ebenfalls erläutere ich dir welche Wundverbände helfen und wie du die 30 Grad Dekubitus Lagerung fachgerecht durchführst. Ich gehe auch auf die Lebenserwartungen bei einem Dekubitus Grad 3 ein und vieles mehr!

Ich bin Fachkraft für Altenpflege und teile hier mein pflegerisches Wissen mit euch, für jeden Artikel verwende ich einschlägige Fachliteratur!

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Dekubitus gefährdete Körperstellen
Insbesondere bettlägerige Personen sind enorm gefährdet, ein Druckgeschwür zu bekommen.

Ein Dekubitus entsteht immer dann, wenn eine Person zu lange auf einer Hautpartie liegt, woran du die Entstehung erkennen kannst und was du dagegen machen kannst, erfährst du hier in diesem Artikel!

Definition

Ein Dekubitus ist eine lokale Schädigung der Haut und/oder des darunter liegenden Gewebes, häufig kommen diese Schädigungen an sehr knöchernen Stellen vor. Entstehen tut ein Dekubitus durch Druck oder Scherkräfte.

Ein anderes Wort für Dekubitus ist auch Druckgeschwür, diese Geschwüre könne unterschiedlich groß sein und verschiedene Stadien erreichen. Eine Heilung kann sich über mehrere Monate ziehen, teilweise bleiben die Wunden auch offen und müssen immer spezielle behandelt werden.

Wie Entsteht ein Druckgeschwür?

Der Name Druckgeschwür verrät dir schon, wie diese Wunde entsteht, nämlich durch Druck. Unter solchen Wunden leiden meistens Patienten, die in ihrer Bewegung komplett eingeschränkt sind. Diese Menschen können meistens keine Ausgleichsbewegungen mehr machen und liegen sehr lange auf einer Körperstelle auf.

Leider gibt es keinen genauen Zeitraum, der festlegt, ab wann ein Dekubitus entsteht. Jedoch gibt es zwei Mechanismen, die für die Entstehung eines Dekubitus verantwortlich sind.

Direkter Deformationsschaden:Darunter versteht man direkten Druck, der über einen gewissen Zeitraum die Zellen verformt, bis eine Nekrose entsteht.
Komprimierung von Blut- und Lymphgefäßen:Durch diesen Druck werden die Gefäße verändert, dadurch können sie das Gewebe nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen.

Welche Körperstellen sind besonders gefährdet?

Ein Dekubitus entsteht besonders an Körperstellen, die durch Knochenvorsprünge gekennzeichnet sind, oder an denen sich nur eine geringe Auspolsterung durch Muskel- und Fettgewebe befindet. Hier eine kleine Liste:

  • Hinterkopf
  • Steißbein
  • Rücken
  • Fersen
  • Knöchel
  • Schulterblätter

Welche Risikofaktoren gibt es?

Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die die Entstehung eines Dekubitus fördern können. Hier unterscheidet man zwischen Faktoren die vom Patienten selbst abhängig sind, oder von der Umwelt abhängig sind.

Umweltabhängige Riskofaktoren:

  • Lagerung des Pflegebedürftigen: Eine korrekte Lagerung minimiert das Risiko, eine falsche Lagerung hingegen begünstigt die Bildung eines Dekubitus.
  • Medikamente: Sedierende Medikamente begünstigen die Dekubitusbildung, da sie die Mobilität hemmen.
  • Verbände: Sehr enganliegende Verbände üben enormen Druck auf die Haut aus.
  • Auflagefläche: Eine harte Auflagefläche fördert ebenfalls die Geschwürbildung.
  • Katheter und Sonden: Alle Arten von körpernahen Fixierungen liegen stetig auf der Haut auf und können somit zu Nekrosen führen.

Personenabhängige Risikofaktoren:

  • Gewicht: Sehr dünne oder sehr dicke Menschen haben ein erhöhtes Dekubitusrisiko, da anatomische und physikalische Missverhältnisse entstehen.
  • Alter: Ältere Patienten neigen zu einem erhöhten Druckgeschwürrisiko, da die Haut verletzlicher und trockener ist, sie sich meistens schlechter bewegen können und sie eine schlechtere Wundheilung haben.
  • Inkontinenz: Die Ausscheidungen in einer Einlage wirken schädigend auf die Haut, dadurch ist diese anfälliger für ein Geschwür.
  • Stoffwechselerkrankungen: Gewisse Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes fördern die Entstehung eines Dekubitus, da Nerven verändert werden und Gefäße angegriffen werden.
  • Immobilität: Der größte Risikofaktor ist ganz klar die Immobilität, denn durch eine eingeschränkte Beweglichkeit liegt der Betroffene immer auf derselben Stelle auf, dadurch kommt es zu einem Dekubitus.

Wie kann ein Dekubitus verhindert werden?

Du solltest bei einer bettlägerigen Person immer auf eine fachgerechte Lagerung achten. Falls ein ambulanter Pflegedienst deinen Angehörigen betreut, werden diese erst eine Risikoerhebung machen und anschließend einen Lagerungsplan erstellen.

Hier ein Video für dich rund ums Thema Dekubitus:

Hier in diesem Artikel findest du meine Anleitung, wie du deinen Angehörigen selbst lagern kannst. Falls dein Angehöriger bettlägerig ist und bewegungseingeschränkt, kannst du ihn damit fachgerecht lagern.

Dekubitus Kategorien

Insgesamt gibt es vier Dekubituskategorien, in der folgenden Tabelle findest du die Erklärungen, damit du weißt, wie du sie unterscheiden kannst:

Dekubitus Kategorie 1:Bei einem Fingerdruck-Test bleibt die Haut rot, es können sich auch Ödeme gebildet haben. Weitere Symptome sind Verhärtungen, lokale Überwärmung und verfärbte Haut.
Dekubitus Kategorie 2:Hier liegt ein Teilverlust der Haut vor, sowie Hautabschürfungen.
Dekubitus Kategorie 3:Nun sind auch tiefere Hautschichten betroffen und subkutanes Gewebe kann bereits abgestorben sein.
Dekubitus Kategorie 4:Alle Hautschichten sind zerstört worden, parallele Strukturen wie Knochen und Gewebe sind nun auch betroffen.

Dekubitus Grad 3 Lebenserwartung

Es ist nie wirklich leicht die Lebenserwartung bei einem Dekubitus einzuschätzen, da die Lebenserwartung immer mit der betroffenen Stelle zusammenhängt. Liegt der Dekubitus in einer Region, wo sich viele empfindliche Nerven und lebenswichtige Organe befinden, dann kann er die Lebenserwartung durchaus enorm senken.

Bei einem Dekubitus der Stufe 3 ist die Wunde sehr groß und stark geöffnet, dadurch haben es Krankheitserreger besonders leicht hier einzudringen. Ist der Dekubitus jetzt am Steißbein lokalisiert, dann kann es durchaus vorkommen, dass der Krankheitsereger schnell zu den Nieren gelangt und dort eine starke Entzündung auslöst, die mitunter einen tödlichen Verlauf nehmen kann.

Somit lässt sich festhalten, umso größer die Wunde und umso näher die Wunde an wichtigen Organen ist, umso niedriger ist in der Regel die Lebenserwartung. Deshalb ist die Einhaltung der Hygienerichtlinien bei Dekubituspatienten umso wichtiger!

Dekubitus Grad 4 Lebenserwartung

Ebenfalls wie beim Dekubitus Grad 3 hängt die Lebenserwartung eines Dekubitus Patienten mit Grad 4 stark von verschiedenen Faktoren ab. Hierzu zählt der allgemeine Gesundheitszustand, die Qualität der Pflege, sowie Begleiterkrankungen. Folgende Punkte solltest du beachten bei diesem Thema.

  • Risiken und Komplikationen: Patienten mit Dekubitus Grad 4 haben ein erhöhtes Risiko für Infektionen, einschließlich Osteomyelitis (einer Knocheninfektion) und Sepsis, die lebensbedrohlich sein können. Diese Komplikationen können die Lebenserwartung signifikant verringern.
  • Abhängigkeit von Begleiterkrankungen: Die Lebenserwartung ist auch abhängig von Begleiterkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronischen Atemwegserkrankungen. Patienten mit mehreren Gesundheitsproblemen haben in der Regel eine schlechtere Prognose.
  • Studienlage: Studien heben hervor, dass Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und chronische Lungenerkrankungen das Risiko für die Entwicklung von Druckgeschwüren erhöhen und die Schwere der Erkrankung beeinflussen können. Diese Komorbiditäten können indirekt zu einer verkürzten Lebenserwartung bei Dekubiti beitragen, insbesondere bei Patienten mit fortgeschrittenen oder schweren Dekubitus.

Dekubitus 30 Grad Lagerung

Eine sehr beliebte Lagerung bei einem Dekubitus ist die 30 Grad Lagerung, in den folgenden Abschnitten habe ich dir eine kurze Anleitung dazu geschrieben, wie du diese umsetzen kannst:

  1. Bewege den Betroffenen an deine Bettseite. Hierzu kannst du leicht seine Schulterblätter anheben und in deine Richtung ziehen und anschließend seine Beine anheben und zu dir bewegen.
  2. Stelle nun das Bein auf, welches dir am nähesten ist. Hierzu kannst du mit deinem Handrücken in die Kniekehle gleiten und es eine Aufwärtsbewegung machen und gleichzeitig mit der anderen Hand das Schienbein des Betroffenen nach hinten drücken.
  3. Nun kannst du mit einer Hand Druck auf das aufgestellte Knie ausüben und gleichzeitig mit der anderen Hand unter das Schulterblatt greifen und den Pflegebedürftigen somit von dir weg schieben, um ihn in Seitenlage zu bringen.
  4. Jetzt kannst du eine Lagerungshilfe entlang des Rückens und des Beins beim Pflegebedürftigen legen.
  5. Drehe jetzt den Pflegebedürftigen wieder zu dir zurück, sodass er auf der Lagerungshilfe in einem 30 Grad Winkel aufliegt. Zwischen die beiden Beine kannst du ein Kissen legen, damit diese nicht aufeinander liegen.

Durch diese Lagerung entsteht normalerweise automatisch ein 30 Grad Winkel, der Pflegebedürftige wird somit etwas bewegt und liegt nicht auf der Stell des Dekubitus auf.

Dekubitus Verband

Die richtige Wundversorgung ist bei einem Dekubitus enorm wichtig, diese sollte nur speziell ausgebildeten Personal durchgeführt werden und auf gar keinen Fall von Laien übernommen werden. Hier ist die Gefahr einfach zu groß einen Fehler zu machen, der den Krankheitsverlauf enorm negativ beeinträchtigen kann.

Ein Dekubitus hat drei verschiedene Wundheilungsphasen, diese sehen folgendermaßen aus:

  • Reinigungsphase
  • Granulationsphase
  • Epithelisierungsphase

Jede Phase benötigt unterschiedliches Verbandsmaterial:

  • Verbandsmaterial für die Reinigungsphasen: Feuchtverbände, Hydrogelverbände, Kompressen, Hydrokolloide, Kochsalzverbände, Aktivkohle-Silber-Verbände.
  • Verbandsmaterial für die Granulationsphase: Hydrokolloide, Kollagenschwämme, Polyurethanschaumverbände.
  • Verbandsmaterial für die Epithelisierungsphase: Hydrokolloide, Hydropolymere.

Wie du erkennen kannst, wird der Hydrokolloidverband in allen drei Phasen verwendet, dieses Verbandsmaterial ist für Dekubiti enorm gut geeignet, allerdings muss auch hier genau überprüft werden, ob dieses Verbandsmaterial für die Wunde perfekt geeignet ist.

Dekubitus Ohr

Einen Dekubitus am Ohr zu bekommen, ist eine sehr komplizierte und gleichzeitig auch gefährliche Angelegenheit. Verbände halten am Ohr nicht wirklich gut und auch im Schlaf neigen die betroffenen Personen ungewollt, sich auf den Dekubitus zu rollen.

Falls der Dekubitus am Ohr noch nicht wirklich stark fortgeschritten ist, dann kann ein Druckentlastungskissen für die Ohren Abhilfe verschaffen. Dieses wird beim Schlafen verwendet und verhindert eine Verschlechterung des Dekubitus, da der Druck gleichmäßig verteilt wird und somit das Ohrengewebe durchblutet und entlastet bleibt.

Leider leiden häufig Kleinkinder an Dekubiti an den Ohren, hier ist ein Behandlung noch schwieriger, da kleine Kinder oftmals nicht verstehen was sie haben und ungewollt das Gewebe des Ohres belasten.

Frage: Seid ihr schon einmal mit einem Dekubitus in Kontakt gekommen?