Dezember 2, 2020

Mundpflege Anleitung für pflegebedürftige Angehörige

Von Ioannes

Du pflegst deinen Angehörigen alleine zu Hause und brauchst professionelle Hilfe in Form von Anleitungen? Dann bist du auf meiner Seite genau richtig! Ich bin gelernter Altenpfleger und habe einige Jahre in der Pflege gearbeitet.

Jetzt habe ich es mir zur Aufgabe gemacht pflegenden Angehörigen zu helfen. Hier in diesem Artikel erfährst du alles über die Mundyhygiene bei Pflegebedürftigen.

Warum ist die Mundpflege bei Pflegebedürftigen so wichtig?

Viele ältere Menschen leiden an verschiedenen schweren Erkrankungen, typische Krankheiten sind Demenz, Parkinson, Diabetes mellitus. Diese Erkrankungen wirken sich auch oftmals negativ auf die Zahnhygiene deines Angehörigen aus.

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Die Mundhygiene bei älteren Menschen ist sehr wichtig, vor allem bei Dementen ist es eine wahre Herausforderung. (Bildquelle: unsplash.com/William Warby)

Diabetes beispielsweise kann eine Parodontitis verursachen und Demenz kann die Fähigkeit beeinträchtigen, sich die Zähne zu putzen. Deshalb muss die Zahnpflege oftmals von einer dritten Person übernommen werden.

Veränderungen des Munds und der Zähne im Alter

Da im Alter oftmals der Geschmackssinn nachlässt, neigen ältere Menschen dazu, ihr Essen sehr stark zu würzen, damit sie noch etwas schmecken können. Dieses übermäßige Würzen, insbesondere, wenn es sich um Salz handelt, kann sehr schädlich für die Mundschleimhäute und die Zähne sein. Ebenfalls essen sehr viele ältere Menschen häufig sehr heiße Mahlzeiten, diese heißen Mahlzeiten verletzen oftmals das Zahnfleisch und die Zähne.

Darüber hinaus kommt es zu einem Abbau des Zahnschmelzes im Alter, dadurch werden die Zähne anfälliger für Karies und andere Krankheiten. Ebenfalls wird im Alter weniger Speicher gebildet, der Speichel ist dafür zuständig, die Nahrung zu zersetzen und sie verdaulicher zu machen. Dadurch kann es sehr häufig zu Verdauungsproblemen kommen.

Ebenfalls führt der verminderte Speichelfluss zu einer Mundtrockenheit, diese Mundtrockenheit wirkt sich negativ auf das Zahnfleisch aus. Zieht sich das Zahnfleisch immer mehr zurück, dann verlieren die Zähne an Halt und sie können leichter ausfallen, auch liegt der Zahnhals dann frei, dieser ist sehr empfindlich und dadurch anfälliger für Karies.

Mundhygiene bei Pflegebedürftigen

Leider wird die Mundhygiene bei Pflegebedürftigen immer noch sehr stark vernachlässigt, das weiß ich auch aus meiner Zeit im Altenheim als Fachkraft. Am meisten leiden die Pflegebedürftigen, die keine Prothese haben, da die Mundpflege etwas aufwendiger ist. Die Prothese wird einfach schnell herausgenommen und einfach in ein Glas mit Kukident getan.

Bei der Zahnpflege muss sich die Pflegeperson etwas mehr Zeit nehmen und den Pflegebedürftigen in den meisten Fällen anleiten oder die Pflege übernehmen. Deshalb geht diese Handlung in der Pflege sehr häufig unter, wegen dem hohen Zeitdruck. Dabei kann eine mangelnde Zahnhygiene eine Vielzahl von Erkrankungen auslösen. Dazu zählen Schlaganfälle und Herzinfarkte.

Anleitung für die Mundpflege bei Pflegebedürftigen

Nun kommen wir zur Anleitung, ich erkläre dir Schritt für Schritt, worauf du achten musst und welche Reihenfolge du einhalten solltest.

  1. Gehe mit deinem Angehörigen ins Bad, falls er nicht lange stehen kann, organisiere einen Stuhl.
  2. Reinige zuerst die Innenseite der Zähne mit kreisenden Bewegungen.
  3. Reinige danach die Außenseite der Zähne ebenfalls mit kreisenden Bewegungen.
  4. Reinige danach die Kauflächen.
  5. Lass deinen Angehörigen mit Wasser alles ausspülen.
  6. Verwende danach ein Mundwasser und Zahnseide um Rückstände zu entfernen.

Falls dein Angehöriger noch relativ fit ist, solltest du ihm nicht all Zuviel Arbeit abnehmen, denn die Selbstpflegekompetenz sollte so weit es geht erhalten bleiben. Wenn dein Angehöriger jedoch nicht mehr so fit ist und den Mund schließt, versuche ihn zu beruhigen und ihm zu erklären, was du vorhast.

Mundpflege bei Pflegebedürftigen im Bett

Falls dein Angehöriger sein Bett nicht mehr verlassen kann, erkläre ich dir jetzt, wie du ihn hier pflegen kannst. Folgende Utensilien benötigst du ein Tischtablett, eine Schüssel, ein Handtuch, einen Becher mit Wasser und eine Zahnbürste mit Zahnpasta.

  1. Richte deinen Angehörigen auf und stelle das Tischtablett vor ihn.
  2. Lege danach das Handtuch um deinen Angehörigen und gib ihm die Zahnbürste in die Hand.
  3. Danach soll dein Angehöriger selbst versuchen, sich die Zähne zu putzen.
  4. Er kann jedes Mal seinen Mund ausspülen und in die Schüssel spücken.
  5. Wenn du siehst, er kommt nicht mehr weiter, greifst du ein und hilfst ihm.
  6. Am Ende räumst du alles auf und kontrollierst nach Rückständen.

Verhinderung von Aspiration bei bettlägerigen Pflegebedürftigen

Viele Bettlägerige sind oftmals nicht wirklich ansprechbar und kognitiv stark eingeschränkt, deshalb können sie sich bei der Zahnpflege sehr schnell verschlucken, da sie nicht wirklich verstehen, was vor sich geht. Diese Aspiration kann sehr schnell sehr gefährlich werden, insbesondere dann, wenn Nahrungsmittelreste in die Speiseröhre gelangen. Deshalb solltest du folgende Sicherheitsmaßnahmen treffen, damit es zu keinem Verschlucken während der Zahnpflege kommt:

  • Die Person sollte wach sein und nicht im Halbschlaf oder benebelt von Medikamenten.
  • Falls der Bettlägerige schlecht gelaunt, oder erschöpft ist und bereits einige Pflegemaßnahmen verweigert hat, solltest du etwas abwarten.
  • Lasse dir Zeit und gebe auch dem Bettlägerigen Zeit bei dieser Pflegemaßnahme.
  • Der Bettlägerige sollte unbedingt aufrecht sitzen, fahre das Bett in die entsprechende Position.
  • Falls der Bettlägerige während der Pflegemaßnahme schlucken muss, unterbreche kurz und lasse ihn den Mundinhalt herunterschlucken und fahr dann mit der Zahnpflege fort.
  • Falls du merkst, dass etwas Wasser in den Rachen gelaufen ist, fordere den Pflegebedürftigen auf, das Wasser herunterzuschlucken.
  • Beim Ausspülen sollte dein Angehöriger nur kleine Schlücke nehmen, hier eignet sich ein Schnabelbecher sehr gut, da durch die kleine Öffnung immer nur ein wenig Flüssigkeit in den Mund gelangt.
  • Falls der Bettlägerige nicht wirklich ausspülen kann, dann solltest du ihm den Mundinnenraum mit einem nassen, weichen Lappen auswaschen.

Hier ein Video zur Reinigung der Zähne im Bett:

Mundhygiene bei Demenzkranken

Leider gestaltet sich die Mundhygiene bei Demenzkranken besonders schwierig, da sie oftmals nicht mehr alleine in der Lage sind, ihren Mundraum zu pflegen. Darüber hinaus kann es auch sein, dass die Pflegemaßnahme verweigert wird, da die demente Person nicht mehr in der Lage ist, nachzuvollziehen, dass sie jetzt gepflegt werden soll.

Viele demente Menschen nehmen dann die Pflegemaßnahme als Bedrohung wahr und blocken ab, oder werden teilweise auch aggressiv. Deshalb muss die Mundhygiene bei Dementen besonders feinfühlig eingeleitet werden und am besten von einer Pflegeperson durchgeführt werden, welche der Demente kennt. Es lohnt sich immer erst ein kurzes Gespräch mit dem Dementen zu führen und dann gemeinsam ins Bad zu gehen. Hier sollte dann der Demente Platz nehmen, damit die Pflegemaßnahme entspannt durchgeführt werden kann und der Demente durch hektische Ausweichbewegungen nicht stürzen kann.

Was kann man machen, wenn der Demente den Mund nicht öffnen will?

Zunächst kannst du versuchen ihn mittels basaler Stimulation dazu zu bringen, den Mund zu öffnen. Dafür streichst du ihn einfach sanft über die Wange, normalerweise öffnet sich dann der Mund. Danach kannst du die Zahnbürste einführen und mit der Pflege beginnen.

Falls der Demente seinen Mund immer wieder schließt während der Zahnpflege, kannst du auch eine Mundstütze zwischen seine Zähne stecken, diese ist aus weichem Schaumstoff gefertigt und kann dadurch keine Verletzungen verursachen. Achte jedoch darauf, dass du diese Mundstütze nicht gewaltsam reinsteckst. Oftmals kauen die Dementen etwas auf diesem Schaumstoff herum, das ist nicht weiter schlimm, dadurch bleiben sie beschäftigt und du kannst weiter die Zähne putzen. Sollte sich jedoch der Demente gegen die Mundstütze wehren, solltest du die Pflegemaßnahme sofort unterbrechen.

Soll der Demente seine Zähne selbst putzen?

In der Altenpflege gilt der Grundsatz, dass die Selbstpflegekompetenz des Pflegebedürftigen immer gefördert werden soll. Somit wird immer versucht, nicht die vollständige Pflegemaßnahme zu übernehmen, vielmehr soll der Pflegebedürftige mithelfen, damit er seine Selbstpflegekompetenz nicht vollständig verliert.

Das kann auch bei der Zahnpflege für Demente umgesetzt werden, wenn der Demente den Mund öffnet, gebe ihm die Zahnbürste in die Hand und leite ihn kurz mit deiner Hand an, wie er seine Zähne durch kreisende Bewegungen säuber kann. Falls der Demente dies dann von alleine macht, dann kannst du ihn loben. Falls er es nicht macht, dann kannst du seine Hand nehmen und ihr reinigt gemeinsam seine Zähne. Alleine dass er die Zahnbürste gehalten hat, bewahrt seine Selbstpflegekompetenz auch bis zu einem gewissen Grad.

Welche Zahnbürste eignet sich für einen Dementen?

Falls der Demente einigermaßen selbstständig seine Zähne noch putzen kann, dann solltest du ihm eine elektrische Zahnbürste kaufen, denn diese Zahnbürste ermöglicht es ihm, ganz einfach seine Zähne zu putzen. Er muss einfach nur der Reihe nach über seine Zähne fahren und die elektrische Zahnbürste entfernt den gröbsten Schmutz und Verunreinigungen. Ebenfalls kann er sich durch die elektrische Zahnbürste auch nicht wirklich verletzen, da der Bürstenkopf nicht besonders groß ist.

Falls die Zahnreinigung von einer Pflegeperson übernommen werden muss und der Demente seinen Mund nicht wirklich lang offen lässt, dann empfiehlt sich eine Dreikopfzahnbürste. Diese besteht aus drei Bürsten, die jeweils diagonal und einmal am mittig angeordnet sind. Dadurch muss einfach nur über die Zähne gefahren werden und sie werden von jedem Winkel gesäubert. Diese Zahnbürste ermöglicht eine sehr schnelle Reinigung des Mundinnenraums.

Pflegeanleitung für die Mundhygiene bei Demenzkranken

Bei dementen Personen kann die Zahnpflege wirklich eine echte Herausforderung sein, auch hier habe ich wieder eine Anleitung für dich.

  1. Bei Menschen mit Demenz werden Berührungen im Gesicht oftmals sehr intensiv wahrgenommen, deshalb solltest du sehr vorsichtig sein.
  2. Vor dem Zähneputzen, solltest du deinem Angehörigen erklären, was du vorhast, berühre ihn hierfür leicht an der Schulter.
  3. Streiche danach deinem Angehörigen von der Schläfe bis zum Mund und umkreise seinen Mund. Dieser müsste sich dann öffnen.
  4. Wenn der Mund offen ist, nimm eine Zahnbürste und säuber den Innenraum mit kreisenden Bewegungen.
  5. Falls dein Angehöriger in der Lage ist auszuspülen, animiere ihn dazu. Ansonsten gib ihm einfach etwas zum Trinken.

Hier ein Video zur Zahnreinigung bei Dementen:

Anleitung zur Prothesenreinigung

Wenn ein Angehöriger gar keine Zähne mehr hat, musst du auch regelmäßig die Prothese reinigen, wie das geht verrate ich dir hier.

  1. Besorge dir alle nötigen Utensilien: Prothesenbürste, Kukidents, Reinigungsmittel für Prothesen verwende bitte keine Zahnpasta.
  2. Lege ein Handtuch ins Waschbecken, damit die Prothese bei einem Sturz abgesichert ist. Ziehe dir danach Einmalhandschuhe an.
  3. Spüle die Prothese mit warmen Wasser ab und reinige die Ober- und Unterseite mit der Bürste und dem speziellen Mittel. Spüle danach die Prothese mit Wasser ab.
  4. Einmal wöchentlich solltest du deine Prothese über Nacht in einem Glas Wasser mit Kukidents einlegen.

Hier ein Video zur Prothesenreinigung:

Frage: Fandet ihr die Anleitungen hilfreich?

Quellen

  1. Schubothe-Zacher S: Mundgesundheit und zahnärtzliche Betreuung von Senioren in Alten- und Pflegeheimen im Raum Stuttgart. Frankfurt 2013.