Dezember 15, 2020

6 Schritte Anleitung gestürzten Pflegebedürftigen aufheben

Von Ioannes

Du bis pflegender Angehöriger und hast zu Hause einen Angehörigen, der nicht mehr ganz sicher in seinen Bewegungen ist? Obwohl du ihn immer wieder ermahnst, den Stock oder Rollator zu benutzen, macht dein Angehöriger es nicht?

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Sturzprophylaxe
Stürze können sehr gefährlich für ältere Menschen sein, da ihre Knochen sehr porös sind. (Bildquelle: unsplash.com/Harlie Raethel)

In solchen Situationen kann es oftmals zu einem Sturz kommen. Viele Angehörige fühlen sich in so einer Situation überfordert und haben Angst. Doch das brauchst du nicht, ich bin gelernter Altenpfleger und gebe dir hier eine Anleitung, wie du deinen Angehörigen fachgerecht wieder aufheben kannst.

Gründe für den Sturz bei Senioren

Oftmals stürzen ältere Menschen, weil sie ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen. Wie oft habe ich es im Altenheim schon mitbekommen, dass ich vielen Bewohnern gesagt habe, sie sollen nicht ohne Stock oder Rollator laufen. Zurück kam oftmals ein „Ja Ja, mache ich“. Wenige Tage später lagen diese auf dem Boden und hatten einen Oberschenkelhalsbruch.

Der Oberschenkelhalsbruch ist der häufigste Bruch bei älteren Menschen, oftmals müssen die Betroffenen danach operiert werden und eine gewisse Zeit im Krankenhaus bleiben. Diese Prozedur ist ziemlich anstrengend für viele ältere Personen und kann ihren allgemeinen Gesundheitszustand enorm zusetzen.

6 Schritte Anleitung Person aufheben

So nun komme ich direkt zur versprochenen Anleitung, führe diese Punkte in der beschriebenen Reihenfolge aus. Da ein Sturz jedoch eine Notsituation ist, wird das Ganze etwas hektischer ablaufen. Wichtig ist, Ruhe bewahren und auch deinen Angehörigen beruhigen:

  1. Gehe zu deinem Angehörigen und beruhige ihn, lasse ihn etwas liegen, damit er keinen Kreislaufzusammenbruch bekommt. Lege ihm hierfür ein Kissen unter den Kopf. Gucke nach sichtbaren Verletzungen, wenn du etwas Schwerwiegendes entdeckt hast, rufe den Notarzt.
  2. Falls dein Angehöriger unverletzt ist, kannst du ihn wieder aufheben. Besorge dir hierfür zwei Stühle, stelle einen Stuhl direkt vor deinen Angehörigen und den anderen seitlich neben ihn hin.
  3. Bringe deinen Angehörigen in die Bauchlage, danach soll er sich aufstützen und auf allen Vieren zum Stuhl vor ihm kriechen.
  4. Danach soll er seinen Oberkörper auf dem Stuhl vor ihm ablegen.
  5. Stelle nun den anderen Stuhl hinter ihn und lasse deinen Angehörigen sich am Stuhl, auf dem er liegt, festhalten und aufstehen.
  6. Danach kannst du den anderen Stuhl hinter ihm näher an ihn ranschieben und dein Angehöriger kann sich hinsetzen.

Hier ist nochmal ein kleines Video für dich, welches die Anleitung veranschaulicht:

Besonderheiten

Falls dein Angehöriger sehr schwer ist, solltest du dir unbedingt Hilfe holen, um ihn aufzuheben. Du kannst nämlich ansonsten deinen Rücken dauerhaft schädigen. Denn in den meisten Fällen wird das Aufheben nicht so reibungslos wie im Video ablaufen. Du wirst etwas mit anpacken müssen.

Auch bei dementen Personen, wirst du viel größere Schwierigkeiten haben, sie aufzuheben. Viele von ihnen werden nicht wirklich verstehen, warum sie auf dem Boden liegen und vielleicht auch panisch reagieren, oder aggressiv. In solchen Fällen solltest du dir auch Hilfe rufen.

Erkennen von Verletzungen

Damit du erkennen kannst, ob sich dein Angehöriger ernsthaft verletzt hat, musst du ihn abtasten. Frage ihn zuerst, auf welche Körperstelle er gefallen ist und gucke nach Blut oder Platzwunden. Falls dort welche sind, versuche sie mit einem Notfall-Set provisorisch zu verarzten.

Falls keine offenen Wunden vorhanden sind, taste deinen Angehörigen leicht ab und frage ihn, ob er Schmerzen empfindet. Drücke nicht zu hart drauf, denn ansonsten könntest du ihn nur noch mehr verletzen. Rufe in beiden Fällen unbedingt einen Notarzt und erkläre ihm am Telefon vorab schon, wo die Schmerzen auftreten.

Sturzprophylaxe

Damit es gar nicht erst zu einem Sturz kommt, solltest du auf die Sturzprophylaxe setzen, hierbei handelt es sich um verschiedene Maßnahmen aus der Pflegewissenschaft, die einen Sturz verhindern sollen. Die Richtlinien sind jeder Altenpflegefachkraft ein Begriff, da sie in der Ausbildung gelehrt werden.

Welche Ziele verfolgt die Sturzprophylaxe?

Folgende Ziele sollen die Maßnahmen erfüllen:

  1. Gefahrenquellen eines Sturzes sollen entdeckt und vermieden werden.
  2. Mobilität des Pflegebedürftigen soll gefördert werden, damit er in Gefahrensituationen besser reagieren kann.
  3. Angehörige sollen sich potentieller Gefahrenquellen bewusst werden und diese in Zukunft vermeiden.

Welche Maßnahmen gibt es in der Sturzprophylaxe?

Die Maßnahmen unterteilen sich in drei verschiedene Aspekte, die habe ich dir in der folgenden Tabelle näher erläutert:

Personenbedingte Maßnahmen:Hierzu zähen alle Arten des physischen Trainings, um die Balance, Muskulatur, Kondition und den Gang zu verbessern. Natürlich sollte das Training nur so weit durchgeführt werden, wie es individuelle Krankheiten wie beispielsweise Demenz, oder Parkinson zulassen. Ebenfalls wird der Patient geschult und auf verschiedene Gefahrenquellen aufmerksam gemacht.
Umweltbedingte Maßnahmen:Hier werden alle potentiellen Gefahrenquellen im typischen Umfeld des Betroffenen entfernt, dazu zählen Kabel, wackelige Tische, scharfe Kanten etc. Darüber hinaus werden wohnfeldverbessernde Maßnahmen durchgeführt, wie ein Treppenlift, Duschgriffe, erhöhter WC-Sitz usw.
Medikamentenbedingte Maßnahmen:Falls der Patient Medikamente nimmt, die den Gleichgewichtssinn beeinträchtigen, oder Schwindel verursachen, oder ähnliches, dann werden diese von einem Arzt angepasst.

Sturzprophylaxe bei Demenz

Die vorhin genannten Maßnahmen müssen bei dementen Menschen erneut angepasst werden, da solche den Sturz völlig anders wahrnehmen und teilweise sogar aggressiv oder verunsichert reagieren können. Darüber hinaus stürzen demente Menschen viel häufiger, weil ihre Orientierung stark eingeschränkt ist. Somit werden sie sich auch an deine durchgeführten Maßnahmen zur Eigensicherung nicht wirklich erinnern können.

Demente Menschen stürzen häufig dann, wenn sie sich unsicher oder ängstlich fühlen, denn dann können demente Menschen schon mal sehr schnell unüberlegte Bewegungen durchführen, die nicht selten mit einem Knochenbruch enden. Umso wichtiger ist es als für dich als pflegender Angehöriger oder allgemein Pflegeperson, im Wohnumfeld mögliche Gefahrenquellen zu eliminieren.

Ein weiterer Faktor welcher die Sturzprophylaxe bei dementen Menschen erschwert, ist die eingeschränkte Kommunikation. Du kannst nicht effektiv mit dem Betroffen kommunizieren und ihn auf sein Fehlverhalten aufmerksam machen, somit sind die personenbedingten Maßnahmen sehr schwer umzusetzen. Leider erhalten demente Menschen auch viel zu häufig zu hohe Dosen von Medikamenten und sind deshalb häufig in ihrer Wahrnehmung und Balance noch stärker eingeschränkt, als es ohnehin schon der Fall ist.

Maßnahmen zur Sturzverhinderung bei dementen Menschen

Folgende Maßnahmen könnten sich positiv auf den dementiell veränderten Menschen auswirken und Stürze verhindern:

  1. Die Maßnahmen zur Aufklärung und das physische Training sollte, wenn möglich nur von den gleichen Personen durchgeführt werden. Kein wechselndes Personal!
  2. Bei der Kommunikation die Validationstechniken von Naomi Feil nutzen.
  3. Kurze und deutliche Sätze sprechen.
  4. Wenn die Maßnahmen verweigert werden, dann an einem anderen Zeitpunkt erneut anbieten.
  5. Falls der Demente ein hohes Verlangen nach Bewegung hat, ihm dieses gewähren und nicht einschränken.

Frage: Hattet ihr schon ein Sturzerlebnis mit einem euer Angehörigen?

Quellen

  1. Freiberger E: Sturzprophylaxe im Alter: Grundlagen und Module zur Planung von Kursen. Köln 2010.
  2. Schmidt S: Expertenstandards in der Pflege – eine Gebrauchsanleitung. Berlin-Heidelberg. 2016.