März 9, 2021

Epileptischer Anfall

Von Ioannes

Herzlich willkommen auf pflege-thematik, ein epileptischer Anfall tritt urplötzlich auf, hält jedoch nur wenige Sekunden oder Minuten. In diesem Artikel erkläre ich dir, wie du dich als Außenstehender verhalten solltest!

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Epileptischer Anfall
Ein epileptischer Anfall kann das gesamte Gehirn oder nur Teile des Gehirns betreffen. (Bildquelle: unsplash.com/Robina Weermejer)

Darüber hinaus gibt es ein paar allgemeine Informationen zur Entstehung eines epileptischen Anfalls. Ich bin Fachkraft für Altenpflege und kläre hier auf diesem Blog über pflegerische und medizinische Themen auf! Viel Spaß beim Lesen!

Was ist ein epileptischer Anfall?

Bei einem epileptischen Anfall spricht man von einer kurzzeitigen Funktionsstörung des Gehirns. Hier geben dann die Neuronen unkontrolliert und gleichzeitig Impulse ab. Dadurch entstehen Symptome wie Wahrnehmungsstörungen, Zucken, Versteifen und sich auf die Zunge beißen.

Welche Arten von epileptischen Anfällen gibt es?

Es wird prinzipiell zwischen fokalen Anfällen und generalisierten Anfällen unterschieden. Die Unterschiede erkläre ich dir in folgenden Absätzen.

Fokaler Anfall

Bei einem fokalen Anfall ist nur eine Region des Gehirns betroffen, hier unterscheiden sich die Symptome je nach betroffener Hirnregion.

Sensorische Symptome

Ist ein sensorisches Areal des Gehirns betroffen, dann kommt es auch zu sensorischen Symptomen. Hier kommt es zu folgenden Symptomen:

  • Kribbeln an bestimmten Körperstellen
  • Ein Körperteil kann entweder sehr warm oder sehr kalt werden
  • Halluzinationen in Form von Lichtblitzen oder Stimmen bzw. Geräuschen
  • Schwindel
  • Angstgefühle

Wenn der Betroffene noch bei vollem Bewusstsein während des Anfalls ist, dann hat er einen einfachen fokalen Anfall. Bei einem komplexen fokalen Anfall, kommen treten weitere Symptome auf, die Automatismen genannt werden:

  • Lautes Schmatzen
  • Kaubewegungen
  • Ballen und öffnen der Fäuste
  • Herumzupfen an Kleidungsstücken
  • Mit den Füßen über den Boden scharren

Diese Symptome sind häufig bei einem komplexen fokalen Anfall vorzufinden, allerdings können sie auch bei einem einfachen fokalen Anfall auftreten. Ein fokaler Anfall kann ein paar Minuten dauern aber auch eine Viertelstunde.

Generalisierter Anfall

Aus einem fokalen Anfall kann sich ein generalisierter Anfall entwickeln, hier wird dann das gesamte Hirn in Mitleidenschaft gezogen. Somit sind dann alle Nervenzellen im Gehirn betroffen.

Motorische Symptome

  • Eingeschränktes Bewusstsein: Der Patient nimmt vielleicht die Dinge nicht mehr wirklich wahr, dieses Symptom kann, muss aber nicht auftreten.
  • Gliedmaßen zucken langsam: Große Muskelpartien fangen langsam an, zu zucken. Hier ist der Betroffene oftmals bewusstlos.
  • Muskelspannung verschwindet: Die Muskelspannung bricht plötzlich ein und der Patient hat keine Kontrolle mehr über die betroffene Körperstelle. Person kann so auch plötzlich beim Stehen wegknicken und stürzen.
  • Muskeln zucken sehr schnell: Hier können verschiedene Muskelpartien schnell und plötzlich zucken.
  • Patient verkrampft und versteift: Alle Gliedmaßen im Körper können verkrampfen und versteifen.

Kann ein epileptischer Anfall tödlich sein?

Epileptiker können an einem medizinischen Phänomen versterben, welches SUDEP heißt, das steht für sudden unexpected death in epilepsy und heißt auf Deutsch plötzlich unerwarteter Tod. Dieses Phänomen ist zwar selten, jedoch tritt es ab und zu auf. Experten gehen davon aus, dass SUDEP durch eine Beeinträchtigung der Herz- und Lungenfunktion nach einem generalisierten Anfall zustande kommt.

Leider versterben die meisten Menschen an diesem Phänomen nachts, der Großteil von ihnen wird Tod aufgefunden, dabei liegen die Verstorbenen auf dem Bauch. Experten gehen davon aus, dass diese Menschen an einer Atemnot gestorben sind, aber auch ein stark verlangsamter Herzschlag spielt hierbei eine Rolle. Untersuchungen haben bei einer Vielzahl der SUDEP-Toten ein unregelmäßiges Atmungsmuster und eine unregelmäßige Herzfrequenz kurz vor dem Tod festgestellt.

Zur Risikogruppe zählen Menschen, die männlich sind und sehr häufig generalisierte tonisch-klonische Anfälle in der Nacht haben. Ebenfalls sterben häufiger junge Menschen an diesem Phänomen als ältere Patienten.

Unabhängig vom SUDEP-Tod kann ein epileptischer Anfall auch tödlich Verlaufen, wenn die Person sich im Rahmen des Anfalls lebensgefährlich verletzt beispielsweise beim Sturz, oder wenn das Gehirn während des Anfalls zu wenig Sauerstoff bekommt.

Kann ein epileptischer Anfall auf einen Hirntumor hinweisen?

Über die Hälfte der Menschen, die an einem primären Hirntumor leiden, bekommen einen epileptischen Anfall. Dieser Anfall ist sogar das erste Symptom auf eine Hirntumorerkrankung, welches diese Patienten haben. Somit kann ein epileptischer Anfall, falls die Person zuvor noch nie einen hatte, durchaus ein erstes Symptom für eine Tumorerkrankung im Gehirn sein.

Welche Warnsignale für einen epileptischen Anfall gibt es?

Die Betroffenen sind häufig reizbarer als sonst und haben starke Kopfschmerzen. Ebenfalls leiden sie an Wahrnehmungsstörungen, die sie ganz klar benennen können. Oftmals können die Patienten Geräusche oder Gerüche in dieser Wahrnehmungsstörung hören oder schmecken. Auch ein ängstlicher Zustand kann ein Vorbote für einen epileptischen Anfall sein.

Wie leiste ich korrekt erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall?

Falls du bei einem Anfall live dabei sein solltest, halte dich an folgende Verhaltensregeln. Das wichtigste ist jedoch, selbst die Ruhe zu bewahren:

  • Schütze den Kopf des Betroffenen: Lege ein Kissen oder eine Decke unter den Kopf des Patienten, damit sein Kopf nicht unkontrolliert auf den harten Boden aufknallt.
  • Beseitige gefährliche Gegenstände: Entferne spitze, zerbrechliche und scharfkantige Gegenstände aus der Nähe des Patienten. Falls der Patient etwas Gefährliches in der Hand hält, versuche es ihm nicht zu entreißen. Wickel bei scharfen Gegenständen lieber ein Tuch drumherum.
  • Halte den Betroffenen nicht fest: Damit Knochenverletzungen ausgeschlossen werden können, halte die Person auf keinen Fall fest.
  • Schiebe dem Betroffenen nichts zwischen die Zähne: Obwohl sich einige Patienten auf die Zunge beißen, versuche ihm nichts zwischen die Zähne zu schieben. Das kann nur zu größeren Verletzungen führen.
  • Patienten beistehen: Rede während des Anfalls ruhig mit dem Betroffen, dadurch nimmst du ihm die Angst.
  • Zeit im Auge behalten: Falls der Anfall ungewöhnlich lange andauert, rufe lieber einen Krankenwagen, das ist nach 5 Minuten der Fall!

Was ist nach dem Anfall zu tun?

Kontrolliere die Atemwege des Betroffenen und überprüfe, ob er sich irgendwie verschluckt hat und irgendetwas diese blockiert. Manchmal musst du den Patienten nach einem Anfall in die stabile Seitenlage bringen.

Ab wann sollte ich einen Notarzt rufen?

Ein Notarzt solle immer bei einem Anfall gerufen, der länger als 5 Minuten dauert, falls sich der Patient während des Anfalls verletzt hat, solltest du auch einen Arzt rufen. Ebenfalls sollte ein Arzt gerufen werden, wenn nach dem Anfall direkt ein zweiter Anfall beginnt.

Hier ein tolles YouTube Video zum Thema:

Frage: Wusstet ihr, dass es zwei Arten von Anfällen gibt?

Quellen:

  1. Degen R. : Epilepsien und epileptische Syndrome im Kindes- und Erwachsenenalter.Berlin/Wien 1999
  2. Krämer G.: Epilepsie-Kurz und bündig. Stuttgart 2013.