Dezember 13, 2020

8 Schritte Anleitung Transfer vom Bett in den Rollstuhl

Von Ioannes

Du pflegst deinen Angehörigen zu Hause und hast öfters mal Probleme bei der Durchführung verschiedener Pflegemaßnahmen? Dann bist du hier auf meiner Seite genau richtig! Ich bin gelernter Altenpfleger und gebe dir hier einfache Anleitungen, damit du die Maßnahmen selbstständig durchführen kannst.

Teile diesen Beitrag

Blogbeitrag-Bild-Transfer
Die gezeigte Anleitung funktioniert natürlich auch für elektrische Rollstühle und Sessel. (Bildquelle: unsplash.com/Manny Beccera)

Dieser Artikel dreht sich um den Transfer einer bettlägerigen Person vom Bett in den Rollstuhl. Ich werde dir hier Schritt für Schritt erläutern, wie du diese Maßnahmen fachgerecht umsetzen kannst. Somit schützt du nicht nur dich, sondern auch deinen Angehörigen.

Bettlägerigkeit

Was ist die Bettlägerigkeit und ab wann beginnt sie? Bettlägerig sind alle Menschen, die nicht alleine aufstehen, sitzen oder sich aufrichten können. Die Personen verbringen fast den gesamten Tag und die gesamte Nacht im Bett. Falls sie nicht im Bett sind, dann werden sie, wie in der folgenden Anleitung, in einen Rollstuhl mobilisiert. Meistens sind bettlägerige Menschen auch nicht mehr wirklich ansprechbar.

Welche Gründe gibt es für Bettlägerigkeit?

Eine Bettlägerigkeit kann viele verschiedene Gründe haben, häufig sind es jedoch sehr schwerwiegende Erkrankungen, folgende Krankheiten führen sehr häufig in die Bettlägerigkeit:

  • Parkinson
  • COPD (dekompensiert)
  • Demenz
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Schlaganfälle
  • Lähmungen

Bei einer Bettlägerigkeit ist der Betroffene komplett von seinen Pflegepersonen abhängig, ist eine Person wirklich bettlägerig empfiehlt sich die Unterbringung in eine stationäre Einrichtung. Zu Hause können die Betroffenen nur besonders schwer gepflegt werden.

Welche Folgen hat eine Bettlägerigkeit?

Eine Bettlägerigkeit kann eine Vielzahl von Folgeerkrankungen mit sich bringen, wenn der Betroffene nicht richtig gepflegt und gelagert wird. Insbesondere die richtige Lagerung und eine geeignete Matratze spielen eine große Rolle, damit der Betroffene keinen Dekubitus bekommt. Hier eine Auflistung der häufigsten Folgeerkrankungen einer Bettlägerigkeit:

  • Dekubitus
  • Verstopfung
  • Lungenentzündung
  • Inkontinenz
  • Weitere Hautirritationen

Vorbereitung

Erkläre deinem Angehörigen zuerst, was du jetzt vorhast und warum du ihn überhaupt aus dem Bett holen möchtest. Bettlägerige freuen sich immer, wenn du mit ihnen eine Runde an der frischen Luft drehst.

Falls dein Angehöriger jedoch sehr schwach oder krank ist, solltest du ihn im Bett lassen. Stell den Rollstuhl seitlich neben das Bett deines Angehörigen und überprüfe auch, ob der Boden vielleicht rutschig ist. Insbesondere nach einer Waschung im Bett kann etwas Wasser ausgelaufen sein.

8 Schritte Anleitung Transfer vom Bett in den Rollstuhl

So nun komme ich zur Anleitung, achte unbedingt beim Heben, dass du deinen Rücken nicht zu stark belastest. Hebe aus den Beinen heraus:

  1. Decke deinen Angehörigen auf und sage ihm was du jetzt vorhast. Stelle den Rollstuhl seitlich neben das Bett und ziehe die Bremsen an.
  2. Setze deinen Angehörigen an die Bettkante, hierzu gehst du mit einer Hand auf die Knie und mit der anderen Hand unter das Schulterblatt und drehst deinen Angehörigen mit einer Halbkreisbewegung auf die Bettkante.
  3. Sobald dein Angehöriger auf der Bettkante sitzt, ziehe ihm unbedingt die Schuhe an, damit er nicht wegrutschen kann.
  4. Klappe die Armlehne in der Nähe des Bettes nach unten und sage deinem Angehörigen, er soll mit einer Hand an die andere Armlehne des Rollstuhls greifen.
  5. Danach greifst du deinem Angehörigen mit beiden Händen unter die Arme an die Schulterblätter und bewegst ihn Richtung Rollstuhl, sodass er leicht drauf rutschen kann.
  6. Klappe die heruntergefahrene Armlehne wieder hoch, damit dein Angehöriger auf der Seite nicht rausfallen kann.
  7. Um deinen Angehörigen wieder ins Bett zu transferieren, gehe leicht in die Hocke, sodass deine Knie die Knie deines Angehörigen berühren. Greife wieder unter die Arme, damit du die Schulterblätter fixieren kannst und sage deinem Angehörigen, er soll die Arme um dich legen, damit er sich festhalten kann.
  8. Mache eine Halbkreisbewegung und drehe dich Richtung Bett und setze deinen Angehörigen auf die Bettkante.

Hier ein kleines Video für dich zur Visualisierung des gesamten Vorganges:

Besonderheiten

Wie du sehen konntest ist die ganze Prozedur nicht besonders kompliziert, solltest du jedoch an einem Tag dich nicht besonders gut fühlen oder gar Rückenschmerzen haben, dann empfehle ich dir Hilfe zu rufen. Denn es kann sein, dass du einen Krampf bekommst und mit deinem Angehörigen auf den Boden fällst.

Ebenfalls solltest du bei dementen Menschen oder stark übergewichtigen Menschen, diesen Transfer nicht alleine durchführen. Demente Personen können schnell in Panik verfallen und dich damit aus dem Gleichgewicht bringen. Übergewichtige Menschen sind einfach viel zu schwer für eine Person, nimm dir hier ein Familienmitglied oder einen Freund zur Hilfe.

Rückenschonendes Heben

So zum Ende hin möchte ich dir noch ein paar Tipps zum rückenschonenden Heben mitgeben. Diese kannst du auch ganz leicht in deinen Alltag integrieren, damit du deine Wirbelsäule generell schützt.

Versuche immer so weit es geht in die Hocke zu gehen und deinen Rücken möglichst gerade zu halten. Das geht am besten, wenn du die Beine etwas auseinander machst und den Po leicht nach hinten streckst. Halte beim Heben nicht die Luft an, sonst kannst du verkrampfen.

Ist ein elektrischer Rollstuhl oder ein normaler Rollstuhl für meinen Angehörigen besser geeignet?

Das hängt von der körperlichen Verfassung deines Angehörigen ab, falls dein Angehöriger sehr schwach ist und nicht wirklich Kraft in den Armen hat, dann sollt er sich lieber einen elektrischen Rollstuhl kaufen. Denn dieser benötigt keine Muskelkraft, um fortbewegt zu werden, dadurch kann deinem Angehörigen trotz seiner schlechten körperlichen Verfassung ein gewisses Maß an Mobilität gewährleistet werden.

Ist dein Angehöriger hingegen ziemlich fit, dann sollte er einen normalen Rollstuhl kaufen. Denn dieser fördert ihn auch körperlich und seine Armmuskulatur und Rumpfmuskulatur wird beim Ankurbeln auch aktiviert. Darüber hinaus ist ein normaler Rollstuhl viel wendiger und platzsparender als die elektrische Variante und kann auch einfacher im Auto verstaut werden.

Frage: Habt ihr einen solchen Transfer bereits alleine durchgeführt?

Quellen

  1. Wilkomm, M: Praktische Geriatrie: Klinik – Diagnostik – Interdisziplinäre Therapie. Stuttagart 2013.
  2. Pigorsch, M: Pflege und Betreuung Bettlägeriger: Aktivierung mit dem Strukturmodell. Stuttgart 2021.