Februar 16, 2021

Bandscheibenvorfall

Von Ioannes

Hallo und herzlich willkommen bei pflege-thematik, heute geht es um das Thema Bandscheibenvorfall. Dieser Artikel soll dich über dieses Krankheitsbild aufklären, dazu zählen die Symptome, die Ursachen, die Behandlungsmöglichkeiten und vieles mehr.

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Bandscheibenvorfall ist oftmals sehr schmerzhaft
Eine Fehlhaltung der Wirbelsäule kann auch zu einem Bandscheibenvorfall führen. (Bildquelle: unsplash.com/Joyce McCown)

Ich habe eine dreijährige Altenpflegeausbildung absolviert und teile hier mein Fachwissen mit euch! Wusstest du, dass ein Bandscheibenvorfall auch Lähmungen verursachen kann? Alles Weitere dazu findest du in den folgenden Absätzen. Viel Spaß beim Lesen!

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Bei einem Bandscheibenvorfall (auch Bandscheibenprolaps) ist die Bandscheibe verrutscht und das Gewebe zwischen den Wirbelkörpern wird immer mehr nach außen gedrängt. Schmerzen entstehen dann, wenn die verschobene Bandscheibe oder das ausgetretene Gewebe auf die Nervenwurzel oder den Nerv drücken.

Bei den meisten Menschen kommt es zu einem Bandscheibenvorfall zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Anfangs verläuft er immer schmerzfrei, mit der Zeit jedoch können starke Rückenschmerzen entstehen.

Welche Symptome gibt es?

Die Symptome sind je nach Lokalität der verrutschten Bandscheibe verschieden. Hier eine kleine Auflistung für dich:

Bandscheibenvorfall in der LWS Symptome

Die Lendenwirbelsäule ist am häufigsten betroffen, da sie immer sehr viel Gewicht aushalten muss. Sehr oft ist der 4. und 5 Lendenwirbel betroffen, aber auch der 1. Steißbeinwirbel.

Wenn besonders viel Druck auf die Nerven entsteht, dann werden starke Schmerzen im unteren Rückenbereich ausgelöst, diese können bis in die Beine ausstrahlen. Oftmals kommt es auch zu Taubheitsgefühlen und Kribbeln. Diese Schmerzen entstehen in den meisten Fällen, wenn die Beine angehoben werden, oder wenn sich der Betroffene bückt.

Hier alle Symptome für dich erneut zusammengefasst:

  • Nackenschmerzen
  • Schmerz ist bis in den Hinterkopf, Arm und in der Hand zu spüren
  • Kältegefühl im Arm
  • Es kann sogar zu einer Paralyse in den Beinmuskeln kommen

Bandscheibenvorfall in der HWS Symptome

Manchmal tritt ein Bandscheibenprolaps auch im Halswirbelbereich auf, hier ist fast immer der 5. und der 6. Halswirbel betroffen. Symptome hier sind ausstrahlende Schmerzen in den Arm, oder sogar Muskellähmungen im jeweiligen Schmerzgebiet.

Hier eine Auflistung der HWS-Symptome für dich:

  • Sehr steife Nackenmuskulatur
  • Taubheitsgefühl im Arm und in der Hand
  • Herabgesetze Muskelkraft in der Hand und im Arm
  • Kopfbewegungen sind teilweise eingeschränkt
  • Kopf- und Nackenschmerzen

Bandscheibenvorfall in der BWS Symptome

Diese Art der Erkrankung in der Brustwirbelsäule ist sehr selten, häufige Symptome hier sind Rückenschmerzen, allerdings werden selten auch Schmerzen in den naheliegenden Gebieten mit dokumentiert.

Hier habe ich die Symptome für dich erneut zusammengefasst:

  • Beinschmerzen
  • Probleme beim Stuhlgang und beim Urinieren
  • Übelkeit
  • Schwindelgefühle

Bandscheibenvorfall Dauer und Heilung

Leider kann hier keine pauschale Aussage getroffen werden, da es sich bei dieser Krankheit bei jedem einen sehr individuellen Verlauf nehmen kann. Ist der Bandscheibenvorfall bei dir nicht besonders schwerwiegend, dann wirst du eine deutlich kürzere Therapiezeit benötigen, als bei sehr schweren Verläufen. Auch das Alter spielt eine enorme Rolle, in der Regel erholen sich jüngere Leute schneller, da sie ihre Muskulatur um die Wirbelsäule herum besser aufbauen können.

Das A und O für eine schnelle Genesung unabhängig vom Alter ist das Mitmachen bei der Physiotherapie. Physiotherapie bedeutet nicht nur vor Ort die Übungen machen, sondern auch zu Hause kontinuierlich seine Muskulatur zu stärken. Oftmals reichen die verschriebenen Stunden nicht aus und sind nur zur Anleitung gedacht, damit die betroffene Person die Übungen erlernt. Sollten alle Parameter wie Ernährung, Gewicht und Training stimmen, dann kann ein Bandscheibenvorfall auch schon in knapp 6 Wochen geheilt werden. Bei schwereren Verläufen kann dies, schon einmal ein halbes Jahr und länger dauern.

Welche Ursachen gibt es?

Folgende Ursachen sind am häufigsten, müssen aber nicht unbedingt der Auslöser sein:

  • Übergewicht
  • Haltungsfehler
  • Schwere körperliche Arbeit
  • Ruckartige Bewegungen bei einem Unfall oder beim Sport
  • Angeborene Fehlstellungen
  • Degenerative Veränderungen der Bandscheibenregion

Bandscheibenvorfall nach der Schwangerschaft?

Die meisten Vorfälle in der Bandscheibe finden im Bereich der Lende in der Schwangerschaft statt, denn diese Bereiche sind besonders empfindlich, da dort das meiste Gewicht getragen wird. Aber nicht nur das erhöhte Gewicht ist ein Problem, sondern auch die hormonellen Veränderungen in der Schwangerschaft. Denn erhöhte Östrogen- und Progesteronspiegel wirken sich auch auf die Bänder und Knorpel im Körper aus.

Progesteron sorgt dafür, dass das Bindegewebe im Körper elastischer wird, dadurch soll das Becken auf die enormen Belastungen in der Geburt vorbereitet werden, da das Hormon jedoch im gesamten Körper zirkuliert, macht es auch die Faserringe der Bandscheibe elastischer.

Dieser hormonelle Veränderung und das erhöhte Gewicht durch das wachsende Baby, können dann bei manchen Frauen einen Bandscheibenvorfall auslösen.

Bandscheibenvorfall, welcher Arzt ist dafür zuständig?

Bei Beschwerden in Gelenken und Knorpeln solltest du prinzipiell immer einen Orthopäden aufsuchen, dieser kann dir sehr zuverlässig und schnell sagen, welche Probleme dein Körper hat. Wenn der Orthopäde tiefergreifende Symptome, wie Lähmung feststellt, dann wird er dich mit großer Wahrscheinlichkeit zum Neurologen schicken.

Der Neurologe ermittelt mithilfe einer Computertomographie, wie stark die Nerven von der Bandscheibe eingequetscht wurden und bespricht dann mit dir ein weiteres vorgehen. Sind die Nerven im Rückenmark wirklich sehr stark eingequetscht, sodass du Probleme beim Urinieren und dem Stuhlgang hast, wird dir der Neurologe wahrscheinlich eine Operation empfehlen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Der Großteil der Betroffenen kann konservativ behandelt werden, also ohne eine Operation. Insbesondere dann, wenn keine schwerwiegenden Schmerzen und Symptome auftreten. Falls jedoch Lähmungen und Störungen der Darm- und Blasenfunktion vorhanden sind, wird fast immer operiert.

Konservative Behandlungsmethoden

Der Arzt wird den meisten Betroffenen dazu raten, sich moderat zu bewegen. Das bedeutet leichte sportliche Aktivitäten aber auch ganz normale alltägliche Bewegungen. Ebenfalls wird sehr oft Physiotherapie verschrieben, hier werden spezielle Bewegungsmuster trainiert, die den Alltag erleichtern sollen.

Es werden auch oft Kraftübungen gemacht, die die Rumpf- und Bauchmuskulatur stärken. Dadurch sollen die Bandscheiben entlastet werden. Der Physiotherapeut wird dir diese Übungen zeigen, du musst sie aber auch selbständig zu Hause regelmäßig durchführen, damit sie Erfolg haben.

Gegen die Schmerzen werden auch oftmals folgende Medikamente verschrieben:

  • Ibuprofen, Diclofenac
  • Kortison
  • Cox-2-Hemmer
  • Opiate (nur bei sehr schweren Fällen)

Operative Methoden

Entfernung der betroffenen Bandscheibe

Eine minimal-invasive Methode ist die Mikrochirurgische Diskektomie, hier wird mit ganz kleinen Hautschnitten die Haut geöffnet und es wird ein kleines Operationsmikroskop mit kleinen Werkzeugen in den Körper eingeführt.

Diese kleinen Werkzeuge entfernen dann die betroffene Bandscheibe, damit diese nicht mehr auf den Rückenmarksnerv drücken kann. Somit wird dieser entlastet.

Mögliche Risiken sind, dass der zu entlastende Nerv verletzt wird. Dann kann es zu Lähmungen, Bewegungsstörungen und sexuellen Störungen kommen. Allerdings sind solche Fehler eher selten.

Verkleinerung der Bandscheibe

Wenn der Bandscheibenvorfall nicht besonders schwerwiegend ist und der Faserring noch intakt ist, dann kann die betroffene Bandscheibe einfach verkleinert werden. Dadurch wird der Druck auf die Nerven oder das Rückenmark genommen.

Hierzu wird eine Kanüle durch die Haut gestochen, um zur betroffenen Bandscheibe zu gelangen. Danach wird oftmals mit einem Laser der innere Gallertkern der Bandscheibe verkleinert.

Wie kann ich eine verschiebung der Bandscheiben vorbeugen?

Hier ist ganz klar eine trainierte und gesunde Rumpfmuskulatur zu nennen. Aber auch andere Faktoren sind zu beachten:

  • Bewege dich ausreichend
  • Treibe regelmäßig Sport
  • Versuche Übergewicht zu vermeiden
  • Auf Sitzhaltung achten, aufrecht sitzen
  • Wenn du schwere Sachen heben musst, gehe dazu in die Knie
  • Kümmere dich um eine gute Matratze

Hier sind ein paar Übungen für dich, um die Lendenwirbelsäule zu stärken:

Frage: Würdet ihr euch operieren lassen?

Quellen

  1. Stauber W.: Der mediale lumbale Bandscheibenvorfall. 1969.
  2. Glener R.: Zurecht-Rücken: Prophylaxe gegen Rückenschmerzen-Bandscheibenvorfall-Nachsorge. Frankfurt 2014.