Februar 23, 2021

Cluster Kopfschmerzen

Von Ioannes

Hallo und herzlich willkommen auf pflege-thematik. Heute widme ich mich dem leidigen Thema Cluster Kopfschmerzen. Diese Krankheit belastet viele Menschen und ist leider noch ziemlich unerforscht. In diesem Artikel gehe ich auf die Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Ursachen der Kopfschmerzen ein.

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Cluster Kopfschmerzen sind schwer zu behandeln
Der Cluster-Schmerz tritt nur auf einer Seite des Kopfes auf und ist hinter dem Auge am stärksten. (Bildquelle: unsplash.com/Adrian Swancar)

Ich habe eine dreijährige Altenpflegeausbildung absolviert und blogge in meiner Freizeit über medizinische Themen. Dabei versuche ich, die Sachverhalte so einfach wie möglich zu vermitteln. Viel Spaß beim Lesen!

Was sind Cluster Kopfschmerzen?

Cluster Kopfschmerzen oder auch Bing-Horton-Syndrom genannt, sind sehr starke Kopfschmerzen, die immer auf einer Kopfseite eintreten. Sehr häufig treten die Kopfschmerzen in Kombination mit einer laufenden Nase oder tränenden Augen auf.

Diese einseitigen Kopfschmerzen können mehrmals am Tag auftauchen, oder es können Monate vergehen, bevor sie wieder zuschlagen. Eine sogenannte Kopfschmerzattacke kann zwischen 15 und 180 Minuten andauern. In Deutschland leiden ungefähr 120.000 Menschen an diesen Cluster Kopfschmerzen.

Welche Symptome gibt es?

Die Cluster-Kopfschmerzen treten im Unterschied zu normalen Kopfschmerzen nur einseitig auf. Auf folgende Symptome solltest du achten:

  • Einseitiger Schmerz: Die Schmerzen treten nur auf einer Seite des Kopfes auf, niemals tritt er gleichzeitig auf beiden Kopfseiten auf.
  • Stechender, bohrender Schmerz: Die Schmerzen werden von vielen Patienten wie der Schnitt mit einem Messer beschrieben, wiederum andere Patienten empfinden den Schmerz als pulsierend oder bohrend.
  • Stärkster Schmerz hinter dem Auge: Die größte Schmerzbelastung wird oftmals hinter dem Auge empfunden.
  • Auge tränt: Oftmals kommt zum Schmerz noch ein tränendes Auge hinzu.
  • Bindehaut ist gerötet: Ebenfalls eine starke Rötung der Bindehaut wird oftmals beschrieben.
  • Geschwollenes Augenlid: Auf der Seite wo der Schmerz auftritt, ist auch sehr häufig das Augenlid geschwollen.
  • Extreme Unruhe: Viele Patienten sind während einer Cluster-Attacke enorm unruhig und haben einen starken Bewegungsdrang.
  • Schweißausbrüche im Gesicht: Es kommt zu einer vermehrten Schweißbildung im Gesicht.
  • Eingesunkener Augapfel: Es kann auch zu einer leichten Einsenkung des Augapfels in die Augenhöhle kommen, dazu hängt noch das Augenlid herunter.

Wann treten die Cluster Kopfschmerzen ein?

Sehr häufig kommen die Schmerzen zur gleichen Tages- und Uhrzeit, insbesondere ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen, oder sehr früh morgens. Oftmals haben die Patienten schon eine genaue Vorahnung, wann der Schmerz sie wieder überfallen wird.

Unterschied Clusterkopfschmerzen und Migräne

Zwar treten auch die Migräne-Kopfschmerzen nur einseitig auf, allerdings unterscheiden sich die Kopfschmerz-Arten in ihrer Intensität und ihrer Ankündigung. Bei Migräne-Kopfschmerzen ist es häufig so, dass die Betroffen ungefähr 30 Minuten vor Beginn sehr empfindlich gegenüber Lichtquellen sind. Sie empfinden das Licht als sehr hell und störend, ebenfalls kann es zu einer undeutlichen Aussprache und einem Taubheitsgefühl auf der Haut kommen. All diese Warnzeichen treten bei Cluster-Kopfschmerzen nicht auf.

Auch die Schmerzart ist bei einer Migräne völlig unterschiedlich, denn der Migräne-Schmerz ist eher dumpf und pochend, bei Cluster Kopfschmerzen hingegen ist der Schmerz vielmehr stechend und befindet sich meistens direkt hinter dem Auge der betroffenen Person. Auch die Schmerz-Dauer ist verschieden, denn Migräne-Kopfschmerzen können im schlimmsten Fall bis zu 72 Stunden anhalten, Cluster-Kopfschmerzen hingegen halten im schlimmsten Fall 180 Minuten an. Dafür können diese bis zu 8 mal täglich auftreten.

Wir halten also fest:

  • Schmerz bei Migräne pochend bei Cluster-Kopfschmerzen stechend
  • Schmerzdauer Migräne bis zu 72 Stunden bei Cluster-Kopfschmerzen bis zu 180 Minuten
  • Migräne kündigt sich an durch Lichtempfindlichkeit und andere Symptome, Cluster-Kopfschmerzen treten plötzlich ein.

Welche Ursachen gibt es?

Leider sind die Ursachen bis heute noch relativ unerforscht, jedoch wird davon ausgegangen, dass eine biologische Fehlsteuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus an der Erkrankung Schuld ist. Denn die Schmerzen treten immer an bestimmten Tages- und Jahreszeiten ein. Oftmals vor oder nach dem Schlafen, aber auch der Frühling und der Herbst sind empfindliche Zeiten für Cluster-Patienten.

Viele Wissenschaftler vermuten, dass die Störungen im Zwischenhirn und Hypothalamus verursacht werden müssen. Denn diese sind für den Schlaf-Wach-Rhythmus verantwortlich. Ebenfalls haben Verwandte ersten Grades eines Cluster-Patienten ein erhöhtes Risiko, auch an Cluster-Kopfschmerzen, zu erkranken.

Aber auch bestimmte histaminreiche Lebensmittel wie Nüssen, Käse, Schokolade stehen im Verdacht die Kopfschmerzen auszulösen. Alkohol und Nikotin wirken auch fördernd als Auslöser dieser Kopfschmerzen.

Cluster Kopfschmerzen behandeln?

Leider ist eine Behandlung von Cluster-Kopfschmerz etwas kompliziert, die herkömmlichen Schmerzmittel (Ibuprofen etc.) können den Schmerz nicht wirklich lindern.

Zu welchem Arzt muss ich bei Cluster Kopfschmerzen gehen?

Der erste Ansprechpartner sollte dein Hausarzt sein, dieser kennt deine Krankheitshistorie am besten und kann zunächst am genauesten Einschätzen, ob es sich bei dir schon um Cluster Kopfschmerzen handelt. Falls er sich sicher ist, dass du an dieser Krankheit leidest, wird er dich zu einem Neurologen überweisen, welcher sich auf Schmerztherapie spezialisiert hat.

Dieser wird mittels Fragebögen ermitteln, ob du an Cluster Kopfschmerzen leidest, oder nicht. Hier gilt die Faustregel, sind mindestens fünf Attacken mit einem sehr starken einseitigen Kopfschmerz aufgetreten, die bis zu 180 Minuten angedauert haben und Begleiterscheinungen wie tränenden Augen oder Augenrötungen mit sich gebracht haben, dann handelt es sich sehr wahrscheinlich um Cluster Kopfschmerzen.

Häufig wird auch verlangt, dass der Patient seine Attacken mit einem Smartphone per Video dokumentiert, dadurch kann sich der Arzt ein noch besseres Bild von den Attacken machen und seine Diagnose noch präziser stellen.

Welche Medikamente helfen dann aber gegen den Cluster Kopfschmerz?

Es gibt jedoch einige Medikamente auf dem Markt, welche eine Cluster Kopfschmerz-Attacke lindern können. Diese hier werden häufig verschrieben:

  • Zolmitriptan Nasenspray 5-10 mg (insbesondere bei längeren Attacken).
  • Sumatripan Injektionen werden subkutan gespritzt (hier geht es zur Anleitung fürs subkutane Insulinspritzen).
  • Sumatripan aber über den nasalen Weg.
  • Inhalation von Sauerstoff mit Gesichtsmaske.

Es gibt aber auch Medikamente, die zur Vorbeugung von Cluster-Schmerzen eingesetzt werden. Folgende werden häufig verschrieben:

  • Verapimil
  • Lithium
  • Tpopiramat
  • Kortikoide

Medizinisches Cannabis bei Cluster Kopfschmerzen

Seit dem in Deutschland auch Cannabis als Heilmittel zugelassen wurde, gab es natürlich auch einige Versuche den Cluster-Kopfschmerz mit Cannabis zu behandeln. Hier kam es zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Von rund 139 Patienten, wurde jeder 4. Patient erfolgreich mit medizinischen Marihuana behandelt. Hierbei sprachen viele von einer sehr guten Schmerzlinderung bis hin zu einer Halbierung der Kopfschmerzen. Bei knapp 23 Prozent der Patienten verschlimmerte sich der Kopfschmerz jedoch. Es wird vermutet, dass besonders sehr potente Cannabis-Sorten den Schmerz eher verschlimmern.

Sorten mit einem relativ hohen CBD-Anteil hingegen wirken dem Schmerz entgegen und können ihn oftmals gut behandeln. Hier wäre dann CBD-Öl eine passende Alternative.

Operative Behandlungsmöglichkeiten

Falls die medikamentöse Behandlung keinen Erfolg verspricht, dann gibt es noch operative Möglichkeiten zur Behandlung. Leider sind diese operativen Methoden nicht wirklich durch Langzeitstudien überprüft worden. Folgende Operationen gibt es.

Okzipitale Nervenstimulation

Hier erfolgt eine leicht elektrische Stimulation über sehr kleine Drähte, die unter der Kopfhaut angebracht werden. Diese elektrischen Impulse sollen den Okzipital-Nerv blockieren, damit vorübergehend keine Schmerzen mehr entstehen können.

Deep Brain Stimulation

Eine weitere intensivere Methode ist die tiefe Hirnstimulation, diese wird auch bei Parkinson-Patienten genutzt. Hier werden Elektroden in das Gehirn eingeführt, insbesondere in den Teil der für den Cluster-Kopfschmerz verantwortlich ist. Dadurch soll der Schmerzimpuls im Gehirn blockiert werden.

Cluster Kopfschmerzen Krankschreibung

Falls du an dieser Kopfschmerz-Art leidest, dann hast du bei jeder Anfalls-Episode Anspruch auf eine Krankschreibung. Leider trauen sich sehr viele Menschen heutzutage nicht sich wegen Cluster Kopfschmerzen krankschreiben zu lassen, da sie dadurch berufliche Nachteile befürchten. Viele Betroffene nehmen dann Schmerzmittel und gehen trotzdem auf die Arbeit, da sie nicht negativ auffallen wollen. Allerdings ist dieses Verhalten eher kontraproduktiv, da dadurch der Stresspegel nur noch höher wird und somit auch die psychische Belastung steigt.

Deshalb sollte immer ein klärendes Gespräch mit dem Vorgesetzten gesucht werden, falls es möglich ist, solltest du bei einer Cluster Kopfschmerz Episode im Home Office arbeiten. Hier kannst du dich auch mal kurz hinlegen und den Sauerstoff nutzen. Darüber hinaus kannst du hier auch in deinem eigenen Tempo arbeiten, ohne dich nach deinen Kollegen richten zu müssen. Falls die Schmerzen jedoch sehr hoch sind, solltest du dir immer eine Krankschreibung vom Arzt holen.

Hier ein kurzes Video, inwiefern sich der Cluster-Kopfschmerz von den Migräne-Schmerzen unterscheidet:

Cluster Kopfschmerzen vorbeugen

Häufig lösen bestimmte Schlusselereignisse oder auch Trigger genannt die Cluster Kopfschmerzen aus. Zu diesen Reizen zählen bestimmte Inhaltsstoffe Lebensmittel, Schlafprobleme, oder allgemeine Umstellungen. Diese Reize sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Solltest du jedoch eine Zeit lang ohne schwerwiegende Cluster-Attacken ausgekommen sein und plötzlich treten diese wieder auf. Dann lohnt es sich, kurz den gestrigen Tagesablauf zu dokumentieren. Hier lassen sich dann bestimmte Veränderungen ausfindig machen, wie neue Lichtquellen, neue Nahrungsmittel oder ein veränderte Schlafrhythmus.

Trage in dieses Dokumentation den Zeitpunkt der Kopfschmerzattacke und die Intensität ein, darüber hinaus solltest du auch den vermuteten Auslöser dokumentieren. So kannst du besser einschätzen, was der Auslöser war und diesen Trigger in Zukunft meiden, damit es nicht wieder zu einer neuen Attacke kommt.

Frage: Habt ihr Erfahrungen zur Behandlung mit Cannabis?

Quellen:

  1. Leafly.de:https://www.leafly.de/kopfschmerzen-und-cannabis/
  2. Ottar Sjaastad: Cluster Headache Syndrome. W.B. Saunders, London 1992
  3. Mattle H.: Neurologie. Stuttgart 2013.