November 3, 2020

Pflegehilfsmittel

Von Ioannes
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Dein Angehöriger wird zu Hause gepflegt und du fragst dich, ob er Anspruch auf Pflegehilfsmittel hat. Dann bist du hier genau richtig! Ich erkläre dir, was Pflegehilfsmittel sind und ab wann du Anspruch auf sie hast.

In diesem Artikel werde ich auf alles eingehen, was mit dem Thema Pflegehilfsmittel zu tun hat. Nach dem Lesen wirst du ganz genau wissen, welche Hilfsmittel dir zustehen und wie du sie beantragen kannst.

Was sind Pflegehilfsmittel?

Definition: Pflegehilfsmittel sind Geräte oder Sachmittel, die zur Erleichterung der häuslichen Pflege gebraucht werden. Sie erleichtern die Beschwerden des Pflegebedürftigen und ermöglichen eine fachgerechte Durchführung der Pflege.

Blogbeitrag Bild Pflegehilfsmittel
Nichttechnische Pflegehilfsmittel sind Handschuhe, Masken, Desinfektionsmittel etc. (Bildquelle: unsplash.com/3DVisu)

Es wird unterschieden zwischen technischen und nichttechnischen Pflegehilfsmitteln. Technische Pflegehilfsmittel sind beispielsweise ein Pflegebett oder ein Notrufsystem. Nichttechnische Hilfsmittel wären Einlagen, Masken und Handschuhe.

Wer hat Anspruch auf Hilfsmittel für die Pflege und wie viel wird gezahlt?

Folgende Voraussetzungen müssen laut SGB XI bestehen, damit du Pflegehilfsmittel von der Pflegekasse bekommst:

  • Einordnung in Pflegegrad 1-5.
  • Pflege muss im häuslichen Umfeld erfolgen.
  • Pflege muss durch Angehörigen oder Pflegedienst erfolgen.

Sind diese Kriterien erfüllt, dann hat jeder Pflegebedürftige unabhängig vom Pflegegrad den Anspruch auf 40 Euro Pauschale im Monat. Während der Corona-Krise wurde der Betrag auf 60 Euro im Monat erhöht.

Wie beantrage ich Hilfsmittel für die Pflege?

Folgende Möglichkeiten hast du, um die Hilfsmittel zur Pflege deines Angehörigen zu beantragen:

  • Stelle zunächst einen schriftlichen Antrag bei deiner Pflegekasse.
  • Dieser Antrag kann formlos sein, jedoch sollte der Name des Antragstellers und die nötigen Pflegehilfsmittel darin gelistet sein.
  • Falls dieser Antrag abgesegnet wurde, dann kannst du die beschafften Pflegehilfsmittel mit einem Kostenübernahme-Formular monatlich mit deiner Pflegekasse abrechnen.
  • Du kannst auch einfach eine sogenannte Pflegehilfsmittel-Box bestellen. Diese kann nach Belieben zusammengestellt werden und die Dienstleister übernehmen die Kostenerstattung bei deiner Pflegekasse. Im Internet gibt es mehrere Anbieter.
  • Falls dein Angehöriger von einem ambulanten Pflegedienst gepflegt wird, dann übernimmt dieser die Abrechnung der Pauschale.

Wie du gesehen hast, kannst du selbst die Hilfsmittel für die Pflege besorgen und abrechnen, oder du gibst die ganze Aufgabe an einen Internet-Dienstleister weiter. Hier kannst du auch selbst die Hilfsmittel zusammenstellen, musst dich aber nicht um die Abrechnung kümmern.

Welche Pflegehilfsmittel übernimmt die Pflegekasse?

Die Pauschale von momentan 60 Euro im Monat (vor Corona 40 Euro) ist hauptsächlich für die nichttechnischen Pflegehilfsmitteln gedacht. Darunter fallen beispielsweise Desinfektionsmittel, Mundschutz, Einmalhandschuhe und Betteinlagen. Übersteigen diese Materialien jedoch die 60 Euro, musst du den restlichen Betrag selbst bezahlen.

Hier ist das Pflege-/ Hilfsmittelverzeichnis mit den wichtigsten Pflegehilfsmitteln für ältere Menschen, ich übernehme keine Verantwortung zur Vollständigkeit. Diese Liste beinhaltet die gängigsten Pflegehilfsmittel, die ich aus meiner Zeit in der Altenpflege bei vielen Bewohner genutzt habe. Diese habe ich hier aufgeführt, weil sie auch für dich als pflegender Angehöriger von Relevanz sein könnten. (Quelle: https://www.kvb.bund.de/, Stand Januar 2021, Hilfsmittelverzeichnis GKV Spitzenverband Stand 2014)

1. Pflegebetten mit Zubehör

  • Pflegebetten verstellbar mit und ohne Motor
  • Pflegebetten für Kinder und Kleinwüchsige
  • Pflegebetten für extreme Lasten und mit Sitzfunktion
  • Verlängerungen und Verkürzungen für das Pflegebett
  • Bettgalgen
  • Seitengitter
  • Polster
  • Fixiersysteme
  • Verschiedene Pflegebetttische
  • Verschiedene Sitzhilfen
  • Elektrische Lakenaufzugshilfe

2. Lifts, Hebehilfen und Rollstühle

  • Mobile und feststehende Lifts an der Wand, sowie jegliches Zubehör für die Lifts
  • Hebehilfen wie Rutschbretter, Drehscheiben, Positionswechsler, Wendehilfen
  • Rollstühle für innen und außen
  • Sowie elektrische und nicht elektrische Treppensteighilfen

3. Hygieneartikel und Hilfsmittel für Körperpflege

  • Mehrweg Inkontinenzmaterialien wie Urinflaschen, Bettpfannen, Flaschenhalterungen, waschbare Betteinlagen
  • Lifts für Badewanne und Badeliegen, Badewannenbretter und Badewannensitze aller Art
  • Duschsitze aller Art
  • Toilettensitze und Erhöhungen
  • Toilettenstützgestelle
  • Toilettenstühle aller Art
  • Duschrollstühle und Toilettenrollstühle aller Art
  • Sicherheitsgriffe und Aufrichthilfen für Bad und WC

4. Hilfsmittel für Mobilität und Sicherheit

  • Notrufsysteme
  • Gehilfen aller Art z.B. Rollatoren, Gehstöcke etc
  • Rampen für Rollstühle, damit die Wohnung besser betreten werden kann

5. Hilfsmittel zur besseren Krankheitsbewältigung

  • Lagerungshilfen aller Art wie Kissen, Rollen, Keile, spezielle Schaummatratzen, Wechseldruckmatratzen

6. Einweg-Pflegehilfsmittel

  • Flüssigkeitsaufnehmende Bettschutzeinlagen
  • Handschuhe
  • Mundschutz
  • Schürzen
  • Lätzchen
  • Desinfektionsmittel
  • Inkontinenzeinlagen jeglicher Form
  • Netzhosen für Inkontinenzeinlagen
  • Urinal-Kondome
  • Urinbeutel für das Bein und das Bett
  • Verschiedene Halterungen für die Urinbeutel

7. Applikationshilfen

  • Insulin-Pens
  • Spritzen
  • Aufzieh- und Dosierhilfen
  • Einweg und Mehrweg Infusionspumpen
  • Elektronische Infusionspumpen
  • Ernährungsbeutel und Überleitsysteme
  • Infusionsbesteck
  • Infusionsständer

8. Bandagen

  • Kniebandagen
  • Hüftbandagen
  • Handbandagen
  • Schulterbandagen
  • Ellbogenbandagen
  • Rumpfbandagen

9. Hörhilfen

  • Hörgeräte aller Art
  • Hörverstärker
  • Tinitusgeräte

Hier ein kleines Video für dich, welches dir die ganze Thematik kurz und knapp erklärt:

Es gibt jedoch auch technische Hilfsmittel, diese werden normalerweise nur einmalig angeschafft. Dazu zählen z.B. Pflegebetten, Toilettenstühle, Rollstühle. Diese Hilfsmittel werden nicht vollständig von der Pflegeversicherung übernommen, häufig musst du einen gewissen Teilbetrag selbst bezahlen.

Wie lange dauert es bis die Pflegehilfsmittel von der Krankenkasse genehmigt werden?

Die Krankenkasse ist verpflichtet, innerhalb von drei Wochen über den Antrag zu entscheiden. Benötigt die Krankenkasse jedoch eine Entscheidung des MDKs, dann verlängert sich die Frist auf 5 Wochen. In Ausnahmefällen schaffen es die Krankenkassen jedoch nicht, diese Fristen einzuhalten. In solchen Fällen bekommst du dann einen Brief, worin die Gründe für die Verzögerung erläutert werden.

Falls der MDK zur Begutachtung kommt, hat dieser drei Wochen Zeit um seine Erkenntnisse und Einschätzungen abzuliefern. Falls du nach 5 Wochen immer noch keine Nachricht hast über eine mögliche Verlängerung, dann gilt der Antrag als genehmigt. Ab diesem Zeitpunkt ist die Krankenkasse verpflichtet, die selbstbeschafften Pflegehilfsmittel zu bezahlen.

Vor- und Nachteile der Pflegehilfsmittel-Pauschale

Pros
  • Finanzielle Entlastung
  • Jeder Pflegegrad hat Anspruch auf Gelder
  • Unkomplizierte Genehmigung der Gelder
Cons
  • Nur 60 Euro im Monat
  • Höhere Pflegegrade bekommen nicht mehr Gelder